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Gespräch mit Hans-Hermann Bunte, Konrektor der Mamre Patmos-Schule, einer Förderschule in Bethel/Bielefeld

Golf gehört zu den offiziellen Disziplinen der Special Olympics, den Weltspielen der Menschen mit geistiger Behinderung. Im Jahr 2007 hat daran eine Mannschaft teilgenommen, die nur aus Schülern einer Förderschule aus Bethel/Bielefeld bestand. Seitdem hat sich einiges getan. Golf für Menschen mit geistiger Behinderung ist im Bielefelder Golfclub heimisch geworden.

Konrektor Hans-Hermann Bunte leitet zusammen mit dem Golftrainer Bradley Kerr den Golfstützpunkt Nordrhein-Westfalen im Bielefelder Golfclub. Hörmann fördert diese Arbeit.

An der letzten Olympiade, die vom 25.7. – 2.8. in Los Angeles ausgetragen wurde, waren wieder deutsche Golfer beteiligt. Sie errangen eine Silber- und zwei Bronzemedaillen.

 

Wie sind Sie mit ihren Schülern zum Golfspielen gekommen?

Die Idee hatte eine meiner ehemaligen Kolleginnen, deren Mann eine Behinderung hat. Sie war Mitglied im Bielefelder Golfclub, der uns dann die Möglichkeit gab, überhaupt zu trainieren und zu spielen. Diese Idee haben wir 2001 aufgenommen.

Im Jahr 2003 haben wir uns an der Olympiade in Shanghai beteiligt. Wir konnten gleich mit 8 Schülerinnen aus meiner Schule daran teilnehmen. Das war ein Glücksfall. Es gab bundesweit keine weiteren Anmeldungen. Das hat uns sehr beflügelt.

Wie ist die Situation heute?

Damals waren wir wahrscheinlich die einzigen, die Golf für Menschen mit geistiger Behinderung anboten. Das war Neuland. Darum hatten wir die einmalige Gelegenheit, uns geschlossen zu präsentieren. Das ist anders geworden. Die Teilnahme im Rahmen der deutschen Mannschaft ist offiziell und selbstverständlich. Es gibt natürlich jetzt eine breitere Kandidatenauswahl.

Ich habe die Organisation auf den Weg gebracht und den Rahmen mitgeschaffen Bradley Kerr wurde zum Golfkoordinator für die Special Olympics Deutschland ernannt. Zunächst einmal begreife wir Golf wie jede andere bewegungstherapeutische Aktivität. Dabei geht es darum, Menschen mit einer Behinderung in ihrer körperlichen und geistigen Konstitution zu fördern.

Wie kam die Verbindung zu Hörmann zustande?

Die ersten Aktivitäten im Bielefelder Golfclub hat uns dessen Head-Pro Bradley Kerr ermöglicht. Er hat die Teilnehmer aus meiner Schule ehrenamtlich betreut. Wir haben sehr bald kleine Turniere mit unseren Schülern im Golfclub organisiert. Dafür brauchten wir Helfer und Begleiter. Die Damenmannschaft des Bielefelder Golfclubs hat sich da besonders engagiert. Dadurch lernten wir Clubmitglieder wie Frau Sybille Hörmann kennen.

Mit ihr und dann mit dem damaligen Vorsitzenden des Clubs, Herrn Maas, haben wir besprochen, wie sich unser Spiel im Club weiterentwickeln liesse. Besonders wichtig war dabei, dass ein Profi nur sehr begrenzt ehrenamtlich von uns in Anspruch genommen werden konnte. Dadurch kam dann die Förderung durch die Firma Hörmann ins Spiel.

Wie stellen Sie eine Golfmannschaft für die Olympischen Spiele zusammen?

Wir haben heute den „Golfstützpunkt NRW“ im Bielefelder Golfclub. Bradley Kerr wurde zum nationalen Trainer der Special Olympics ernannt. Das ist für die Vorbereitung zu den nationalen und internationalen Speilen natürlich wichtig. Wir laden Golfspieler zu unserem Training ein. Herr Kerr fährt zu Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen und hält Trainingseinheiten vor Ort ab. Das bedeutet, dass NRW eine besondere Rolle spielt. Ein Mitglied der Mannschaft in Los Angeles kommt allerdings aus Bayern.

Die Vorauswahl geschieht durch die nationalen Spiele der Special Olympics Deutschland, an denen die besten Golfer teilnehmen. Das letzte Treffen in Düsseldorf ist von uns – was Golf betrifft - im Wesentlichen organisiert und durchgeführt worden. Durch unsere Kontaktpflege mit Einrichtungen und Vereinen, in denen Menschen mit geistiger Behinderung spielen, lässt sich schliesslich eine Mannschaft bilden, die mit den Jahren auch besser geworden ist.

Wir werden 2016 bei den nationalen Spielen in Hannover voraussichtlich wieder die Golfaktivitäten betreuen. Das geschieht in Zusammenarbeit mit dem gastgebenden Golfclub, der noch nicht feststeht.

Wie nehmen eigentlich die Mitglieder des Bielefelder Golfclubs ihre Aktivität wahr?

Meine persönlichen Erfahrungen sind wirklich positiv. Wer unser Training und unsere Turniere erlebt, ist davon angetan. Mancher ist überrascht von den Fähigkeiten unserer Golfer. Unsere Turniere unterscheiden sich natürlich von den sonstigen Turnieren. Wir legen ja sehr viel Wert auf die Atmosphäre, das Miteinander, die persönliche Nähe. Das wird eigentlich von jedem geschätzt. Was das einfache Mitglied dazu meint, kann ich schlecht beurteilen. Die Mitglieder des Vorstands und diejenigen, die mitmachen, haben sich immer sehr beeindruckt gezeigt.

Wir haben jetzt zum zweiten Mal schon mit viel Erfolg eine neue Form des Turniers organisiert. Daran nehmen junge Menschen mit und ohne Behinderung teil. Die kennen sich erst mal untereinander nicht. Die Zweier-Situation wird mit grosser Offenheit aber auch Anspannung von beiden Seiten erlebt. Angespannt sind vielleicht sogar mehr diejenigen, die nicht-behindert sind.

Die Konkurrenz-Situation – natürlich möchte jeder die meisten Punkte erreichen- hat sich für alle als wohltuend herausgestellt. Unsere Betreuten erfahren, dass sie sich gerade im Golf mit allen anderen messen können. Die Clubmitglieder kommen vielleicht durch die direkten Beziehung zu der Erkenntnis: Mitmachen ist doch interessant. Ich empfinde die Begegnungen, die daraus entstehen, erstaunlich problemlos.

Wie sehen ihre weiteren Pläne aus?

Ob „Golf“ zu einer Therapie im engeren Sinne – wie es Krankengymnastik oder Sprachtherapie sind – werden kann, dazu müssen wir noch mehr Erfahrungen sammeln. Wir überlegen aber, inwieweit Golf als eine Rehabilitationssport anerkannt werden kann. Für uns ist das schon so. Bei rehabilitativen sportlichen Massnahmen geht es ja unter anderem um den Ausgleich von Bewegungsbeeinträchtigungen und die Entwicklung von Bewegungen, die für die Alltagsmotorik wichtig sind. Da brauchen wir meiner Meinung nach den Vergleich mit anderen Sportarten nicht zu scheuen.

Ich sehe ein weiteres Betätigungsfeld in der Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld, die eine bedeutende Fakultät für Sport hat. Ich halte eine Verzahnung der Stiftung Bethel mit unserem Golfstützpunkt NRW, dem Bielefelder Golfclub und der Universität für durchaus wünschenswert. Interessierte Studenten könnten sehr gut Praktika bei uns machen. Das braucht natürlich noch Zeit.